Niedersachsen erhöht Druck auf Ärzte: Alle Praxen sollen impfen

Kassenärztliche Vereinigung: 3,5 Millionen Booster bis Ende Februar notwendig

Ausgabe vom 20.11.2021
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Von Marco Seng


Hannover. Angesichts der dramatischen Infektionslage und der notwendigen dritten Impfung wächst der Druck auf die Ärzteschaft in Niedersachsen, sich stärker als bisher an den Corona-Impfungen zu beteiligen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat alle rund 14 000 niedergelassenen Haus- und Fachärzte aufgefordert, sich anzumelden. Bis Ende Februar sind landesweit laut KVN rund 3,5 Millionen Booster-Impfungen notwendig.

Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) forderte mehr Tempo bei den Impfungen und sieht die Ärzteschaft in der Pflicht. „Wir brauchen in den nächsten Tagen und Wochen so viele Impfungen wie irgend möglich, um die vierte Welle zu brechen“, sagte Behrens auf Anfrage. „Angesichts der schwierigen Pandemielage hoffe ich sehr, dass sich kurzfristig auch noch deutlich mehr Praxen der Impfkampagne anschließen, als dies bisher der Fall ist.“ Bislang beteiligen sich im Schnitt etwa 4500 Praxen.

Niedersachsen weite die Impfkapazitäten in den Kommunen derzeit massiv aus und verdoppele die Zahl der Impfstellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sagte Behrens. „Die Hauptlast beim Impfen liegt insgesamt aber bei der niedersächsischen Ärzteschaft.“ Um die Ärzte bei der Impfkampagne zu unterstützen, fördere das Land 180 Praxen, die ab Ende November zusätzliche Impfsprechstunden für alle anbieten würden.

„Wir wollen mehr Impfdynamik“, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke. Deshalb habe man alle Haus- und Fachärzte angeschrieben und aufgefordert, sich an den Corona-Impfungen zu beteiligen. „Jetzt müsste allen klar sein, dass man alle Kapazitäten in Anspruch nehmen muss“, sagte Haffke mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen.

„Es ist richtig, jetzt Dampf zu machen“, sagte der Sprecher der Ärztekammer Niedersachsen, Thomas Spieker. Es gelte, so viele Booster-Impfungen wie möglich durchzuführen. „Die Ärzte könnten aber auf keine Fall die Planungsfehler heilen“, kritisierte Spieker einen voreiligen Abbau der Impfzentren.

Die Ärzteverbände rechnen mit einem Ansturm auf die Praxen, nachdem die Ständige Impfkommission eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten für alle Bürger ab 18 Jahren empfohlen hat. Die Ärzte gehen zudem davon aus, dass in Kürze auch Impfungen für Kinder zwischen fünf und elf Jahren zugelassen werden.