Ungeimpfte Profis bald im Abseits?

Emotionale Debatte zu möglicher 2-G-Regelung für Fußballer wirft Fragen nach der Umsetzbarkeit auf

Ausgabe vom 20.11.2021
Seite 10
Von Jens Marx


Bayern München - SC Freiburg
Ungeimpft: Joshua Kimmich vom FC Bayern München muss erneut in Quarantäne.Foto: Sven Hoppe/dpa   dpa

Berlin. In der hochemotionalen Impfdebatte wollen die Länderchefs unwillige Fußballprofis nun am liebsten ins Abseits stellen. Die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten sind sich einig: Auf dem Platz soll gelten, was auf den Rängen in einigen Stadien an diesem Wochenende Pflicht ist: 2 G. Sie appellieren an Vernunft und Solidarität mit den geimpften Anhängerinnen und Anhängern. „Das wäre ein Riesensignal, dass eine Identität zwischen Fans und Spielern herrscht“, betonte Bayerns Landeschef Markus Söder am Freitag.

Stars wie Joshua Kimmich, der Bedenken gegen die Impfung hat und beim FC Bayern wegen einer Selbstisolation nun erneut fehlt, sollen als Impfbeispiel im Kampf gegen die Rekordzahlen in der Corona-Pandemie vorangehen.

„Zu Recht kann man vortragen, die Fußballer werden gut bezahlt, sind Vorbilder auch für junge Menschen. Ich finde, dann müssen sie sich auch benehmen wie Vorbilder“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst der „Bild“ und untermauerte den Vorstoß der Länderchefs für ein Spielverbot für ungeimpfte Profis.

Probleme, einen Kader für den Spieltag zusammenzubekommen, dürfte wohl keine Mannschaft im deutschen Profifußball haben. Die Quoten geimpfter oder genesener Spieler sind nach Angaben der Vereine sehr hoch, bei Weitem höher als die generelle Impfquote in der Bundesrepublik. Ein Argument, das den Vorstoß der politischen Entscheidungsträger der Bundesländer bremsen könnte. Zumindest hält es der Sport- und Arbeitsrechtler Martin Schimke für „schwer umsetzbar“, weil es „unverhältnismäßig“ sei, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Offiziellen Angaben zufolge sind in der ersten und zweiten Liga knapp 10 Prozent der Profis nicht geimpft. In der Gesamtbevölkerung sind es rund 32 Prozent. Anders als beispielsweise in der Pflege kommen Fußballer in ihrer Berufsausübung eigentlich auch nicht mit vulnerablen Gruppen in Kontakt.

Ob Fußballprofis von ihrer Berufsausübung ausgeschlossen werden könnten, wenn sie sich nicht impfen lassen, ist eine rechtliche Frage. „Ich würde den Ländern raten, in das Prozessrisiko reinzugehen“, sagte Verfassungsrechtler Hans Michael Heinig von der Georg-August-Universität Göttingen der Deutschen Presse-Agentur. Die Gesetzeslage sei jedoch etwas unklar. Das eine ist Freizeitvergnügen – der Besuch eines Fußballspiels. Das andere ist Berufsausübung. „Ob wir das umgesetzt kriegen, müssen wir jetzt prüfen“, hatte CDU-Politiker Wüst bereits mit Blick auf ein Spielverbot ungeimpfter Profis betont. Kölns Trainer Steffen Baumgart, nach eigenen Angaben bereits mit dem Booster versehen, wetterte wohl mit Blick auf die in der Gesellschaft geringe Impfquote: „Ich glaube, dass wir ganz andere Baustellen haben.“

Der ehemalige Vorsitzende des Ethikrates, Peter Dabrock, betonte dagegen: „Man soll sich nichts vormachen und das nicht nur als Symbolpolitik sehen, weil es auch eine hohe Impfquote im Profifußball gibt, sondern weil auch diese Kontaktsportart damit umgehen muss, dass sie mit vielen Impfdurchbrüchen konfrontiert ist.“

Das Beispiel Kimmich zeigt, dass ungeimpfte Spieler allein als Kontaktpersonen schneller ausfallen. Bayern-Trainer Julian Nagelsmann: „Ich habe schon den Anspruch, dass die Spieler, die nicht geimpft sind, das verstehen, dass die Gefahr als Ungeimpfter deutlich größer ist, mehr Spiele und Trainingseinheiten zu verpassen als als Geimpfter. Ich glaube nicht, dass ich das einem Spieler klarmachen muss.“