Wer ist dein König?

Ausgabe vom 20.11.2021
Seite 18


Tuschinsky

Könige haben heutzutage abgewirtschaftet und werden in einem demokratischen Land nicht mehr gebraucht. Es widerspräche ja auch vollkommen der Grundidee moderner Staaten, wonach die Macht vom Volk ausgeht, welches diese Macht einer Person auf Zeit überträgt. Na gut, eine gewisse Sehnsucht nach königlichem Glanz scheint selbst in den aufgeklärten Ländern des Westens fort zu bestehen. Wie könnte sonst Queen Elizabeth II. jahrzehntelang auf dem uralten Thron der Windsors herrschen, und das im Mutterland der Demokratie? Wobei zuzugeben ist, dass ihre Macht sehr eingeschränkt ist.

Es scheint also auch heute noch ein großes Bedürfnis nach Herrscherhäusern und Regenten zu geben, zumindest, was die Informationen darüber anlangt; eine ganze Illustriertensparte lebt sehr gut davon. Vermutlich ist das Interesse an den „Royals“ besonders bei älteren Menschen verbreitet. Aber wie ist das mit Michael Jackson, dem umjubelten „King of Pop“? Oder mit „Lady Di, der Königin der Herzen?“, die alte und junge Fans geradezu anbeteten? Oder mit Elvis Presley, dem „King of Rock´n Roll“, dem jahrelang Massen junger Leute regelrecht zu Füßen lagen? Zu letzteren gehörte auch ich als Jugendlicher; ich habe mir damals öfter die alten Elvissingles aus der Musicbox zum halben Preis gekauft und immer wieder abgespielt. Eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.

Beim frühen Tod der Letztgenannten gab es eine riesige Welle der Trauer, die aber bald abebbte. Heute regieren neue Queens und Kings, auf deren Tod wiederum andere folgen werden.

Manchmal kommt mir unsere westliche Christenheit wie der Fanclub des verstorbenen King XY vor. Man trifft sich zweimal im Jahr, um gemeinsam das Andenken des Stars wachzuhalten und Geselligkeit zu pflegen, zum Beispiel an Weihnachten oder zum Kirchentag.

Und dabei dürfen wir einen König verehren, der den Tod überwunden hat und uns ewiges Leben verspricht. So habe ich auch keine Probleme mit dem Fest Christkönig, welches meine Kirche morgen begeht, denn dieser König kann hart und gerecht,
aber auch liebevoll bis zur Selbstaufgabe sein, wie es im Neuen Testament geschrieben steht.

Kurz vor seiner Hinrichtung sagt Jesus zu Pilatus: „Ich bin ein König, aber mein Königtum ist nicht von dieser Welt“. Einem solchen König, der seine Autorität ohne äußere Machtmittel ausübt, will ich gern folgen, in dieser unvollkommenen und vor allem in seiner endgültig-vollkommenen Welt.