Begriffsstutzige Politiker reiten Deutschland in die Katastrophe

Ausgabe vom 20.11.2021
Seite 18


Dass alles auf eine Impfpflicht für alle hinauslaufen würde, wusste schon vor einem halben Jahr in Deutschland jeder, der bis Drei zählen konnte. Nur eine gesellschaftliche Gruppe zeigt neben den Impfverweigerern eine lebensbedrohende Begriffsstutzigkeit. Es sind unsere Politiker.

Während die große Mehrheit der Bevölkerung eine allgemeine Impfpflicht befürwortet, gibt es eine lautstarke Minderheit, die den Rest der Republik in Geiselhaft nimmt. Es sind Querdenker und andere Verschwörungstheoretiker, die Probleme haben, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen. Sie möchten ihre Marotten ausleben auf Kosten anderer. Sie reden von Freiheit und haben „Unfreiheit noch nie genießen“ können. Mit ihrer hartnäckigen Weigerung, sich impfen zu lassen, bestimmen sie die argumentative Lufthoheit. Und darauf fährt die Politik ab. Das Wort „Impfpflicht“ nimmt kein Politiker in den Mund und meint damit, dem Zeitgeist zu entsprechen. Stattdessen machen sie das, was sie schon immer gern gemacht haben, nämlich Randgruppenthemen in den Vordergrund zu stellen.

Wenn die Bekämpfung von Corona von ihnen genau so beherzt angepackt worden wäre wie das Ziel, die Diversität dieser Gesellschaft möglichst rasch zu steigern, wäre man schon lange bei einer wichtigen Erkenntnis angelangt, nämlich dass es ohne allgemeine Impfpflicht nicht geht. Aber ich bin natürlich keine Person, die sich dazu repräsentativ äußern kann. Ich bin männlich, weiß, alt und nicht schwul. Mit diesem bedenklichen Datenkranz fühle ich mich mittlerweile von der Politik stigmatisiert. Und wenn man aus den Medien erfahren muss, dass in Brandenburg elf Pflegeheimbewohner sterben mussten, weil sich Heimleiter und etliche Pflegekräfte nicht impfen ließen, stellt sich die Frage, ob das nicht fahrlässige Tötung ist. Diese Leute gehören nicht gefeiert, sondern gefeuert.

Wir haben eine Regierung gewählt, damit sie regiert. Dazu gehört dann auch das Beseitigen größerer Probleme und „Kante zu zeigen“. Aber wenn man sich im Dauerwahlkampf wähnt, geht das natürlich nicht.

Obwohl wir derzeit mit 739 Bundestagsabgeordneten den größten Bundestag aller Zeiten haben, doppelt so viele wie erforderlich wären, passiert nichts. Das föderale Dauer-Techtelmechtel unserer Politiker vor dem Hintergrund der pandemischen Bedrohung wird uns noch in einem Maße schaden, das sich heute noch nicht erahnen lässt.

Detlef Loock

Stadtoldendorf