Ansage vor Weihnachten

Das DFB-Team trifft bei der EM auf Schottland, Ungarn und die Schweiz – Bundestrainer kündigt Veränderungen an

Ausgabe vom 04.12.2023
Seite 9
Von Arne Richter und Jan Mies


Die Kontrahenten in Gruppe A – und das Objekt der Begierde: Bundestrainer Julian Nagelsmann (von rechts), Murat Yakin, Trainer der Schweiz, sowie Marco Rossi, Trainer von Ungarn, mit dem EM-Pokal. Nur der schottische Trainer Steve ­Clarke fehlt.Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Mit dem Glückslos in der Tasche konnte sich Julian Nagelsmann gelassen den Weg durch die Gänge der Hamburger Elbphilharmonie bahnen. Weder das leichte Fieber noch der Gedanke an die Autofahrt durch die Nacht zurück nach München brachten den Bundestrainer aus der Fassung. Schottland, Ungarn und die Schweiz waren als Gruppengegner interessant genug, um respektvoll auf die Heim-EM zu blicken – aber auch leicht genug, um den Fokus sofort zu verrücken. Die Fußball-Nationalspieler bekamen kurz vor Weihnachten eine deutliche Ansage.

„Eines kann ich versprechen – dass wir nicht hilflos sind“, sagte Nagelsmann und kündigte nach den Novemberenttäuschungen Veränderungen in der DFB-Auswahl an. Für den einen oder anderen Spieler könnte der Traum vom Heimturnier bald weit weg sein. Gedanken machen muss sich nach dem 2:3 gegen die Türkei und dem 0:2 gegen Österreich fast jeder.

„Es gibt jetzt keine Radikalkur, dass wir zehn Spieler zu Hause lassen und zehn neue einladen, aber es wird sich schon etwas verändern in der Struktur, weil wir auch eine veränderte Nationalmannschaft haben vom Selbstverständnis, in der Art und Weise, wie wir auftreten“, sagte Nagelsmann. Keine Rede mehr vom Finalziel, das Verbandschef Bernd Neuendorf ausgegeben hatte.

„Wir dürfen gar keinen unterschätzen. Wir müssen schauen, dass wir wieder in die Spur kommen“, sagte DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der den März-Plan mit Testspielen in Frankreich und gegen die Niederlande bestätigte. Mit seiner Ankündigung eines Umbruchs eröffnete Nagelsmann die viermonatige Diskussion von Fans und Experten, was – und wen – der Bundestrainer gemeint haben könnte.

Gut acht Stunden lang hatte der 36-Jährige am Samstag im Auto gesessen, um es von München trotz des wegen Schneetreibens im Süden gestrichenen Fluges rechtzeitig in die Elbphilharmonie zu schaffen. Teilweise mit Fieber, wie der gesundheitlich angeschlagene Bundestrainer berichtete. Wer so lange am Steuer auf der Autobahn fährt, kann sich viele Gedanken machen. Am Sonntagmorgen war der Bundestrainer zurück in München.

Schottland, Ungarn und die Schweiz sind zwar nicht die Niederlande, Italien und Dänemark, aber dennoch anspruchsvolle Aufgaben. Zum Auftakt gegen die Schotten am 14. Juni in München werden Zehntausende Auswärtsfans erwartet. „Positiv verrückte Fans“, sagte Turnierchef Philipp Lahm. Das zweite Spiel gegen Ungarn am 19. Juni hat die Vorgeschichte des politisch aufgeladenen EM-Gruppenspiels 2021 mit Leon Goretzkas Herz-Geste vor wütenden, rechts orientierten ungarischen Fans.

Die Schweiz zum Abschluss der Vorrunde am 23. Juni in Frankfurt/Main sei „auf dem Papier“ vielleicht der stärkste Gegner, meinte Nagelsmann. Nati-Trainer Murat Yakin hat eine Bundesliga-Vergangenheit, Anführer Granit Xhaka, der mit Bayer Leverkusen für Furore sorgt, wohnt in Düsseldorf im Haus von Völler, wie dieser berichtete. „Wir haben Respekt vor allen Gegnern, aber die haben auch Respekt vor uns“, sagte Neuendorf. Furcht und Angst verbreitet die DFB-Auswahl aber schon lange nicht mehr, bereits im Achtelfinale droht England, Spanien oder Italien.

10 000 Karten pro Spiel sind für die deutschen Fans reserviert. Das gleiche Kontingent geht an die Fans der Teams aus Schottland, Ungarn und der Schweiz. Der DFB verteilt die Karten der deutschen Fans ab Montag auf drei Wegen. Der größte Anteil geht an die Mitglieder des „Fan Club Nationalmannschaft“. Erstmals konnten auch andere Fan-Clubs gegründet werden und über diese Karten beim DFB beantragt werden. Wer eine Tur­nier­re­gis­trie­rung beim DFB beantragt hat, kann sich auch mit dieser bewerben.

Auch die Uefa öffnet noch einmal ihr Ticketportal. Bis zum 12. Dezember (14 Uhr) kann man sich mit einem On­line­an­trag für Karten für alle 51 Spiele bewerben – auch für das Finale am 14. Juli in Berlin.