Nagelsmann braucht Arbeiter

Ausgabe vom 04.12.2023
Seite 9
Von Heiko Ostendorp



Was für ein verrückt-schönes Wochenende für den deutschen Fußball! Am Freitag sicherten sich die DFB-Frauen mit dem 3:0 gegen Dänemark die Chance auf die Olympiateilnahme, am Samstagmittag holten unsere leidenschaftlichen U17-Jungs in Indonesien nach einem Elfmeterdrama gegen Frankreich den WM-Titel – und dann auch noch die EM-Auslosung.

Während vor allem der Süden der Re­pu­blik im absoluten Schneechaos versank, wurde im Norden bekannt, auf wen die Mannschaft von Julian Nagelsmann in der Gruppenphase der Endrunde trifft. Der Bundestrainer war übri­gens allein im Auto von München nach Hamburg gedüst und schaffte es trotz der Wetterkapriolen, pünktlich vor Ort zu sein.

Hoffentlich kann er diesen Schwung mit in die Spiele gegen Schottland, Ungarn und die Schweiz nehmen. Sportlich hätte es durchaus deutlich schlimmer kommen können. Und auch ansonsten machte die Veranstaltung in der Elbphilharmonie mit einem Mix aus Sport und Kultur durchaus Lust auf das finale Highlight ab dem 14. Juni 2024.

194 Tage hat Nagelsmann nun Zeit, die EM-Euphorie in Deutschland endlich zu entfachen. Wie viel Arbeit er dabei noch vor sich hat, zeigte sich zuletzt bei den enttäuschenden Auftritten gegen die Türkei (2:3) und Österreich (0:2). Das Fazit des DFB-Coaches danach: Vielleicht braucht es weniger Zauberer und mehr Arbeiter! Gerade in Anbetracht der spielerisch überschaubaren, dafür kämpferisch starken Gruppengegner sollte er diese Erkenntnis auf keinen Fall vergessen.

Und auch die beiden Höhepunkte des deutschen Fußball-Wochenendes müssten dem Bundestrainer noch mal vor Augen geführt haben, worauf es bei der Heim-EM noch mehr ankommt als auf Technik und Taktik – nämlich auf die richtige Einstellung und Mentalität. Diese beiden Eigenschaften brachten sowohl die Frauen von Horst Hrubesch als auch die Bubis von Christian Wück zum Erfolg. Bitte genau da weitermachen, Herr Nagelsmann!